Von Christoph Sator, dpa

Am Ostersonntag 1967 ging Jim Thompson in Malaysia in den Dschungel und kam nie wieder zurück. Ein halbes Jahrhundert später ist der amerikanische Spion und Seidenkönig immer noch Legende. Und Marke längst auch.


Vor ein paar Jahren hätte man sich für einen solchen Satz noch einiges an Protest anhören müssen. Aber inzwischen lässt es sich sagen: Jim Thompson ist tot. Nicht einmal die größten Verschwörungstheoretiker behaupten heute noch, dass der US-Amerikaner, der vor einem halben Jahrhundert (26. März) in Malaysia im Dschungel verschwand, am Leben ist. Der Spion und spätere «Seidenkönig» («Time Magazine») wäre inzwischen 111 – selbst für einen wie Thompson wohl doch zuviel.


Trotzdem gehört James Harrison Wilson Thompson, geboren 1906, in seiner Wahlheimat Asien bis heute zu den bekanntesten Amerikanern überhaupt. Das Haus aus sechs alten Teakholz-Bauten, das er sich Mitte des letzten Jahrhunderts in Bangkok errichten ließ, ist eine der Top-Sehenswürdigkeiten von Thailands Hauptstadt. Unter dem Namen Jim Thompson werden jedes Jahr Millionen Tücher, Krawatten und Handtaschen aus Seide in alle Welt verkauft.


Dahinter steht die Geschichte eines Mannes, der es gleich mehrmals schaffte, seinem Leben eine völlig neue Wendung zu geben. Anfangs, noch in den USA, versuchte er sich als Architekt. Nachdem er drei Mal durchs Examen gefallen war, wechselte er zum Office of Strategic Services (OSS), dem Vorläufer der CIA, das ihn im Zweiten Weltkrieg nach Bangkok schickte. Kurz darauf war der Krieg allerdings zu Ende.


Thomson quittierte den Dienst – blieb der CIA aber weiter verbunden, vermutlich bis in die 60er Jahre. Nach einem Ausflug ins Hotelgewerbe – er baute in Bangkok das «Mandarin Oriental» wieder auf – entdeckte er das Geschäft mit handgefertigter Seide. Thailand hatte die Herstellung damals schon so gut wie aufgegeben. Ihm gelang es, die Produktion wiederzubeleben und Thai-Seide zur Weltmarke zu machen.


Zu den Kunden gehörten Hollywood-Stars genauso wie Thailands Königin Sirikit. Sein Haus an einem der vielen Kanäle war Treffpunkt der High Society. Thompson, der dort mit sechs Dienern allein lebte, verkraftete auch den einen oder anderen Skandal. Zum Beispiel, als er beschuldigt wurde, sich für seine großartige Sammlung südostasiatischer Kunst fünf gestohlene Buddha-Köpfe besorgt zu haben. Er musste sie ans Nationalmuseum zurückgeben.


Trotz des geschäftlichen Erfolgs hatte der Amerikaner nur 50 Dollar auf dem Konto, als er im März 1967 mit einer langjährigen Freundin nach Malaysia reiste. Auf Einladung eines befreundeten Paares wollten die beiden die Ostertage im kühleren Hochland verbringen. Am Ostersonntag, nach Gottesdienst und Picknick, verzichtete Thompson, warum auch immer, auf den üblichen Mittagsschlaf und spazierte allein in den Dschungel. Nicht einmal seine Zigaretten und die Pillen gegen die Gallenschmerzen, die ihn seit Jahren plagten, nahm er mit.


Seither fehlt von ihm jede Spur. Die Suche mit 1500 Helfern – darunter auch Agenten der verschiedensten Regierungen – wurde nach wenigen Tagen eingestellt. Die Leiche wurde nie entdeckt. Einmal fand man Knochen, die von der Polizeiwache aber bald wieder verschwanden.


Mittlerweile gibt es unzählige Theorien, wie und warum Thompson verschwand: entführt, ermordet, von einer Schlange gebissen, von einem Tiger gefressen, gestürzt, dem Charme einer Orang Asli erlegen (so heißen dort die Bewohner des Dschungels), des bisherigen Lebens überdrüssig geworden oder auch einfach nur im Dschungel verirrt.


Der amerikanische Weltenbummler Llewellyn Toulmin, der sich mit dem Fall seit Jahren beschäftigt, vermutet, dass Thompsons Überreste im Dschungel liegen. «Die wahrscheinlichste Erklärung ist ein simpler Unfall – zum Beispiel, dass er über eine Wurzel gestolpert ist und sich das Genick gebrochen hat. Oder aber, dass er eine Gallenkolik hatte und im Dschungel verhungerte und verdurstete.»


Das Rätsel um sein Verschwinden trägt aber dazu bei, dass man den Namen bis heute kennt. Die Thai Silk Company – 1951 von Jim Thompson selbst gegründet – vermarktet ihn in Luxusgeschäften rund um den Globus. Am alten Haus gibt es neben dem Museum inzwischen auch Souvenirshop, Luxusgeschäft, Café, Weinbar und Restaurant. Thompson ist nicht nur Legende geworden, sondern auch Kommerz.


Im Haus, über seinem alten Schreibtisch, hängt übrigens ein gerahmtes Horoskop. Darin wird Leuten, die im Jahr des Pferdes geboren sind, im Alter von 61 Jahren ein Unglück prophezeit. Thompsons Geburtsjahrgang 1906 war für die Chinesen das Jahr des Pferdes. Als er in den Dschungel ging, war er gerade 61 geworden.






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