Nestlés Asien-Chefin Wan Ling Martello über Nudelskandale, Probleme in Indien und Angebote der Konkurrenz.
Frau Martello, in Indien wurde Nestlé 2014 in einen Nudelskandal verwickelt, der die Firma eine halbe Milliarde Franken gekostet hat. Die Verkäufe der Maggi-Nudeln wurden zeitweise gestoppt, der Imageschaden war riesig. Wie sieht die Lage heute aus?


Wan Ling Martello: Viel besser. Zeitweise betrug die Zustimmungsrate von Maggi
8 Prozent, letztes Jahr stieg sie dank unseres Marketings auf 70, und nun liegt sie wieder bei 90 Prozent.


Zeigt sich diese Entwicklung auch bei der Nachfrage?


Ja, alle fünf Fabriken laufen wieder auf Hochtouren. Als es Maggi nicht mehr in den Verkaufsregalen gab, nutzten das viele Konkurrenten aus und lancierten ähnliche Produkte, hatten aber keinen nachhaltigen Erfolg. Unser Marktanteil hingegen beträgt wieder 60 Prozent. Zuletzt gab es eine Auswertung, welche die Lieblingsmarken der Inder auflistete. Wir waren zeitweise auf Rang 95 abgestürzt, nun sind wir auf Rang 25. (2014, vor dem Skandal, war Maggi in den Top 5, Anm. d. Red.)


Ende Jahr hat die indische Regierung unter Premier Narendra Modi quasi über Nacht im Kampf gegen die Korruption grosse Geldscheine vom Markt genommen. Hat das Ihrem Geschäft geschadet?


Ja, vor allem im November haben wir einen Einbruch verzeichnet, denn die Inder kaufen vor allem bar ein. Im Dezember hat sich die Lage aber bereits wieder beruhigt. Andere Firmen aus derselben Branche waren stärker betroffen.


In China hat Nestlé zuletzt den Anschluss etwas verpasst, und die Marke Yinlu, unter der Sie unter anderem Erdnussmilch verkaufen, leidet seit längerem. Sie führen die Region inzwischen seit zwei Jahren. Gibt es Fortschritte?


Auf jeden Fall. Leider hat Yinlu das Wachstum in Asien beschnitten. Mit Yinlu beträgt das Wachstum in meiner Zone Asien-Ozeanien-Afrika (AOA) 3,2 Prozent, ohne Yinlu wären es 5,8 Prozent, was eine unglaubliche Leistung ist. Bevor ich die Führung übernahm, hatte die Zone drei Jahre lang hintereinander Marktanteile verloren. Nun ist uns der Turnaround in fast allen Märkten geglückt, wie zum Beispiel in Vietnam, Indonesien, Angola, Japan, Nigeria und auf den Philippinen.


Wie möchten Sie das Yinlu-Geschäft auf Vordermann bringen?


Das wird Zeit brauchen. Es ist ja ein Joint Venture, das von den Minderheitsaktionären, den Gründern, geführt wird. Wir stecken zurzeit mit ihnen die Köpfe zusammen und werden eventuell noch im ersten Quartal mehr dazu sagen können.


Ganz generell gefragt: Was macht den chinesischen Konsummarkt so speziell?


Er bewegt sich enorm schnell, in guter wie in schlechter Hinsicht. Wenn etwas funktioniert, schnellen die Zahlen in die Höhe. Wenn es nicht funktioniert, rasseln sie in den Keller. Das sehen wir auch bei Yinlu. Die Millennials in China wollen flüssige Fertiggetränke «on the go». Sie wollen ihr Müsli oder ihre Milch nicht noch selber anrühren müssen. Yinlu-Produkte basieren heute allerdings oft auf Pulverform. Aber wir sehen, dass immer mehr asiatische Konsumenten fertige Flüssiggetränke wollen.


Sie sitzen im Verwaltungsrat des chinesischen Onlineriesen Alibaba und haben den Auftrag, Nestlés E-Commerce in Asien voranzutreiben. Mit welchem Erfolg bisher?


Das E-Commerce-Geschäft stieg im vergangenen Jahr in meiner AOA-Zone um 57 Prozent, wenn auch auf tiefem Niveau. Vor allem in China, Korea und Japan geht online die Post ab. Keine andere Kundengruppe passt sich so schnell an neue Technologien und Trends an wie die Chinesen. Viele Leute denken bei E-Commerce in erster Linie an Verkaufskanäle. Aber es ist viel mehr, wie Alibaba zeigt. Es geht um die Art und Weise, wie man als Unternehmen mit den Kunden kommuniziert.


Sie haben seit Anfang Jahr mit Mark Schneider einen neuen CEO. Was hat sich seither geändert im Vergleich zu Ex-CEO Paul Bulcke?


Die Zonen-Chefs arbeiten sehr dezentral, das hat uns Paul immer erlaubt. Klar, wir treffen uns alle einmal im Monat in Vevey am Hauptsitz. Ansonsten bewegen sich die Zonen-Chefs in einem ziemlich autonomen Umfeld. Wir werden sehen, ob sich das ändern wird. Ich weiss es nicht.


Sie galten als Mitfavoritin für die Nachfolge von Paul Bulcke. Bleiben Sie trotzdem bei Nestlé?


Schauen Sie, das Leben ist sehr interessant. Ich fühle mich gesegnet: Wenn es um Exekutivaufgaben oder Verwaltungsratsmandate geht, klingelt mein Telefon ständig. Aber ich liebe mein Team hier bei Nestlé. Es ist grossartig, was wir in den letzten zwei Jahren erreicht haben. Ich habe 25 Prozent der Management-Positionen ausgewechselt. Ich habe keine Externen geholt, sondern die richtigen Leute in die richtige Position gehievt. Der Spirit ist toll.






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